SPIELEN

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SP.No. 001.365

PRÜFUNG DER EINFUHRFÄHIGKEIT DURCH DIE BEZIRKSREGIERUNG DÜSSELDORF
ERGEBNIS NICHT EINFUHRFÄHIG!

Gefährliches Spielzeug aus Fernost

Kinder können von Spielsachen nicht genug bekommen. Doch nicht mal die Eltern wissen, dass Plüschhäschen und Co in vielen Fällen von Menschen zusammengesetzt werden, die kaum älter sind als ihr Nachwuchs. Unter gesundheitsschädlichen Bedingungen entsteht in Fernost auch der ganze Schrott, der eigentlich gar nicht in Deutschland verkauft werden dürfte.

Illustration eines Supehero Legomännchens

Kinderarbeit hat für die Spielzeugindustrie gleich zwei große Vorteile. Erstens: Die Kleinen in Fernost schuften für noch weniger Geld als ihre Eltern. Zweitens: Mit ihren kleinen Händen eignen sie sich außerdem hervorragend dafür, 16 Stunden am Tag und mit höchster Präzision die kleinen Einzelteile zu einem bunten und lauten Plastikdingsbums zusammenzusetzen. Letzteres ist natürlich nur eine zynische Spitze des Autors dieses Textes, und schließlich werden junge Menschen auch von anderen Branchen nach Strich und Faden ausgebeutet. Fest steht aber: Vor allem chinesische Spielzeug-Produzenten sind dafür berüchtigt, Kinder in ihren Fabriken bei oftmals gesundheitsgefährdenden Bedingungen einzusetzen.

Gutes Spielzeug: Lego lässt sein Spielzeug von der unabhängigen Cal Safety Compliance Corporation prüfen.

In 42 von 50 getesteten Spielsachen hat die Stiftung Warentest gesundheits-
gefährdende Schadstoffe festgestellt.

Auch bekannte westliche Marken wie Matell, Disney und Walmart standen in der Vergangenheit häufiger in der Kritik, mit „pädophilen“ Spielzeug-Herstellern zusammenzuarbeiten. Manch Unternehmen will mit einem selbstauferlegten Verhaltenskodex die Menschenrechtler beschwichtigen. Manche halten sich sogar daran – wie beispielsweise Lego. Ihre Fabriken lassen die Dänen von unabhängigen Prüfern kontrollieren. Na Logo, das schafft Vertrauen beim Kunden und ist auch so nicht schlecht fürs Image. Doch nicht nur für die Kinder, die es bauen müssen, kann Spielzeug eine ungesunde Sache sein. Schlimmer ist da nur noch jener Schrott, der an den internationalen Sicherheitskontrollen vorbei ganz ohne CE-Zeichen in den Containern der Ozean-Riesen aus China zu uns geschickt wird.


Zum Glück gibt’s da noch den deutschen Zoll. „Es kommt regelmäßig vor, dass wir Container mit illegalem Spielzeug entdecken“, sagt Markus Mertens, Zollhauptsekretär beim Zollamt Neuss. Aber die Asiaten sind nicht blöd. Sie tarnen ihre Ware ganz einfach. Manche Importe seien als Regenschirme oder Maniküre-Sets deklariert; das finden die Zöllner in den ersten Kisten, wenn sie einen Container öffnen. Doch dahinter: illegales Spielzeug aller Art, oder ganz und gar unchristlicher Christbaumschmuck.

Die Ware wird beschlagnahmt und landet dann bei der Bezirksregierung, im Referat „Produkt- und Marktsicherheit“. Dort untersuchen Fachleute das Spielzeug auf sein Gefahrenpotential: Party-Schnuller mit ätzenden Weichmachern, Scherzartikel mit Stromschlag, Laserpistolen, die den kleinen Spacecowboys das Augenlicht nehmen können, motorisierte Plüschtiere mit gravierenden Qualitätsmängeln. „Dieses Kinderspielzeug sollte nicht in Kinderhände gelangen“, sagt Mertens. „Plüschtiere haben oft die Eigenschaft, dass die Augen leicht abfallen (Vorsicht: Kleinteile zum Verschlucken) und dass Batteriefächer leicht aufzumachen sind. Für mich ein absolutes No-Go, mein Kind damit spielen zu lassen.“ Es wird Anzeige erstattet.


Ein Kuscheltierhund, dem ein Auge ausfällt

Böses Spielzeug: Kleinteile wie die Augen können leicht abfallen und verschluckt werden.

Jacken von Zollbeamten hängen auf einer Garderobe

Doch selbst der Deutsche Zoll ist nicht überall und so landet der Kram wohl doch tonnenweise im Kinderzimmern. Die großen Handelsketten legen das Zeug eher nicht in ihre Regale, viel häufiger geht es laut Angaben des Zolls auf Trödelmärkten über den Tisch. Wer sein Kind vor ernsthaften Verletzung schützen will, sollte also die Superschnäppchen von ominösen Händlern lieber stehen lassen und auf die Kennzeichen CE und GS achten. „Solche Artikel sind sicher“, sagt Zöllner Mertens. „Auch da gibt es Fälschungen, aber die meisten Billigklamotten haben nicht mal diese.“

Die Organisation fair-spielt.de hat eine Liste von Firmen zusammengestellt, die ganz ohne Zulieferungen aus Asien auskommen.

Idee & Umsetzung: Andreas Pankratz & Oliver Helms
Text: Andreas Pankratz
Illustration: Diane Mehser
Layout & Gestaltung: Oliver Helms

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